Dis­kri­mi­nie­rung der Frau

Die UN-Frau­en­rechts­kon­ven­ti­on defi­niert in ihrem Arti­kel 1 den Aus­druck “Dis­kri­mi­nie­rung der Frau” so, daß sowohl absicht­li­che als auch unbe­ab­sich­tig­te Ungleich­be­hand­lun­gen erfaßt werden.

Die­se Defi­ni­ti­on bedeu­tet nicht, dass Män­ner oder Frau­en mit Fami­li­en­pflich­ten nicht bes­ser gestellt wer­den dür­fen. Sie bringt viel­mehr zum Aus­druck, dass Frau­en allein dar­aus, dass sie ver­hei­ra­tet sind oder Mut­ter sind oder wer­den könn­ten, kei­ner­lei Nach­tei­le ent­ste­hen dür­fen. In den Dis­kri­mi­nie­rungs­be­griff wer­den nicht nur die unmit­tel­ba­re und mit­tel­ba­re, son­dern auch die struk­tu­rell beding­te Dis­kri­mi­nie­rung in allen Lebens­la­gen mit­ein­be­zo­gen. Die Rati­fi­zie­rung der Frau­en­rechts­kon­ven­ti­on ver­pflich­tet die Ver­trags­staa­ten Ver­hal­tens­mus­ter und Prak­ti­ken, die aus der Kul­tur erwach­sen sind, und auch gesell­schaft­li­che Ein­stel­lun­gen zu ändern und gege­be­nen­falls abzu­schaf­fen, wenn die­se aus dem Gedan­ken der Über­le­gen­heit bzw. der Min­der­wer­tig­keit eines Geschlechts ent­sprun­gen sind. Hin­sicht­lich der For­de­rung nach Ände­run­gen in der Gesell­schaft ist die Frau­en­rechts­kon­ven­ti­on bis­her das ein­zi­ge Über­ein­kom­men im Bereich Men­schen­rech­te, das die Ver­trags­staa­ten dazu verpflichtet.

Viel­leicht ist das auch mit ein Grund, war­um bei der Rati­fi­zie­rung der Frau­en­rechts­kon­ven­ti­on so vie­le Vor­be­hal­te gegen ein­zel­ne Arti­kel der Kon­ven­ti­on und deren Umset­zung erho­ben wor­den sind. Zu kei­nem ande­ren Men­schen­rechts­über­ein­kom­men exis­tie­ren mehr Vor­be­hal­te. Begrün­det wer­den sie häu­fig mit Gewohn­heits­recht und tra­di­tio­nel­len Gebräu­chen sowie mit Religion.

Arti­kel 1 [Begriffs­de­fi­ni­ti­on]

In die­sem Über­ein­kom­men bezeich­net der Aus­druck „Dis­kri­mi­nie­rung der Frau“ jede mit dem Geschlecht begrün­de­te Unter­schei­dung, Aus­schlie­ßung oder Beschrän­kung, die zur Fol­ge oder zum Ziel hat, dass die auf die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau gegrün­de­te Aner­ken­nung, Inan­spruch­nah­me oder Aus­übung der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten durch die Frau – unge­ach­tet ihres Fami­li­en­stands – im poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen, sozia­len, kul­tu­rel­len, staats­bür­ger­li­chen oder jedem sons­ti­gen Bereich beein­träch­tigt oder ver­ei­telt wird.

Sie sind derzeit offline!

Zum Inhalt springen