Anfor­de­run­gen der Frau­en­rechts­kon­ven­ti­on an die Gesetzgebung

Arti­kel 2 ent­hält eine Ver­ur­tei­lung jeder Form von Dis­kri­mi­nie­rung der Frau ver­bun­den mit der gene­rel­len Ver­pflich­tung für alle Ver­trags­staa­ten, eine Poli­tik zur Besei­ti­gung der Dis­kri­mi­nie­rung zu ver­fol­gen, die sich sowohl auf gesetz­li­che als auch auf sons­ti­ge geeig­ne­te Maß­nah­men erstreckt.

Im ein­zel­nen sind von Ver­trags­staa­ten der UN-Frau­en­rechts­kon­ven­ti­on die fol­gen­den Ver­pflich­tun­gen zu erfüllen:

  • Die Ver­an­ke­rung des Grund­sat­zes der Gleich­be­rech­ti­gung in der Staats­ver­fas­sung bzw. in ande­ren geeig­ne­ten Rechtsvorschriften;
  • die Umset­zung gesetz­ge­be­ri­scher und sons­ti­ger Maß­nah­men für die tat­säch­li­che Ver­wirk­li­chung der Gleichberechtigung;
  • das (gesetz­li­che) Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung der Frau, wobei mit dem Ver­bot gege­be­nen­falls auch Sank­tio­nen ver­bun­den sein sollen;
  • der gesetz­li­che Schutz der Rech­te der Frau durch Gerich­te und sons­ti­ge öffent­li­che Einrichtungen;
  • die Unter­las­sung dis­kri­mi­nie­ren­der Hand­lun­gen und Prak­ti­ken in allen staat­li­chen Behör­den und öffent­li­chen Einrichtungen;
  • die Durch­füh­rung von Maß­nah­men zur Besei­ti­gung der Dis­kri­mi­nie­rung der Frau durch Pri­vat­per­so­nen, Orga­ni­sa­tio­nen und Unternehmen;
  • die Ände­rung oder Auf­he­bung aller Geset­ze, Ver­ord­nun­gen, Gepflo­gen­hei­ten und Prak­ti­ken, durch die Frau­en dis­kri­mi­niert werden;
  • die Auf­he­bung aller straf­recht­li­chen Vor­schrif­ten, die eine Dis­kri­mi­nie­rung der Frau darstellen.

Unter dem Begriff der Sank­tio­nen, die gege­be­nen­falls mit dem Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung der Frau ver­bun­den wer­den sol­len, kön­nen auch zivil­recht­li­che Rechts­fol­gen wie z. B. die Unwirk­sam­keit der Kün­di­gung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses oder die Ent­ste­hung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen ver­stan­den werden.

Den Ver­pflich­tun­gen aus Arti­kel 2 des Über­ein­kom­mens ent­spricht die Gesetz­ge­bung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wei­test­ge­hend. Die Gleich­be­rech­ti­gung von Män­nern und Frau­en und das Ver­bot der Benach­tei­li­gung wegen des Geschlechts sind als Grund­rech­te nach Arti­kel 3 Abs. 2 und 3 des Grund­ge­set­zes ver­fas­sungs­recht­lich gesi­chert. Gesetz­ge­bung, voll­zie­hen­de Gewalt und Recht­spre­chung sind gemäß Arti­kel 1 Abs. 3 des Grund­ge­set­zes hier­an als unmit­tel­bar gel­ten­des Recht gebun­den. Eine Ver­let­zung die­ser Grund­rech­te kann bei den staat­li­chen Gerich­ten gel­tend gemacht werden.

Durch das Gesetz über die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bür­ger­li­chen Rechts vom 18. Juni 19571 ist im Fami­li­en­recht Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau ver­wirk­licht wor­den. Durch das Ers­te Gesetz zur Reform des Eheund Fami­li­en­rechts vom 14. Juni 19762 ist im Ver­hält­nis der Ehe­gat­ten zuein­an­der die Gleich­wer­tig­keit von Kin­der­er­zie­hung und Haus­halts­füh­rung mit der Erwerbs­tä­tig­keit sicher­ge­stellt wor­den; die­se Gleich­wer­tig­keit wirkt sich beim Schei­tern der Ehe im Ver­sor­gungs­aus­gleich aus. Für das Arbeits­le­ben gebie­ten die durch das Gesetz über die Gleich­be­hand­lung von Män­nern und Frau­en am Arbeits­platz und über die Erhal­tung von Ansprü­chen bei Betriebs­über­gang (Arbeits­recht­li­ches EG-Anpas­sungs­ge­setz) vom 13. August 19803 ein­ge­füg­ten Vor­schrif­ten der §§ 611 a ff. des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches aus­drück­lich die Gleich­be­hand­lung von männ­li­chen und weib­li­chen Arbeit­neh­mern durch den Arbeit­ge­ber. Das in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus­ge­bau­te Sys­tem der Arbeits­ge­richts­bar­keit trägt ent­schei­dend zur Durch­set­zung der Gleich­be­hand­lung von Mann und Frau bei. Das Schwer­ge­wicht der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts lag hier bis­her bei der Durch­set­zung der Lohn­gleich­heit. Für ande­re Berei­che der pri­va­ten Rechts­be­zie­hun­gen gibt es kei­ne aus­drück­li­chen Rechts­vor­schrif­ten bezüg­lich der Gleich­be­hand­lung der Geschlech­ter. Jedoch sind nach Arti­kel 2 Buch­sta­be e des Über­ein­kom­mens für die Besei­ti­gung der Dis­kri­mi­nie­rung der Frau durch Pri­vat­per­so­nen, Orga­ni­sa­tio­nen und Unter­neh­men nicht unbe­dingt gesetz­ge­be­ri­sche Maß­nah­men zu ergrei­fen. Straf­recht­li­che Bestim­mun­gen, die eine Dis­kri­mi­nie­rung der Frau dar­stel­len, bestehen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht.

Arti­kel 2 [Ver­ur­tei­lung jeder Form der Diskriminierung]

Die Ver­trags­staa­ten ver­ur­tei­len jede Form von Dis­kri­mi­nie­rung der Frau; sie kom­men über­ein, mit allen geeig­ne­ten Mit­teln unver­züg­lich eine Poli­tik zur Besei­ti­gung der Dis­kri­mi­nie­rung der Frau zu ver­fol­gen, und ver­pflich­ten sich zu die­sem Zweck,

  1. den Grund­satz der Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau in ihre Staats­ver­fas­sung oder in ande­re geeig­ne­te Rechts­vor­schrif­ten auf­zu­neh­men, sofern sie dies noch nicht getan haben, und durch gesetz­ge­be­ri­sche und sons­ti­ge Maß­nah­men für die tat­säch­li­che Ver­wirk­li­chung die­ses Grund­sat­zes zu sorgen;
  2. durch geeig­ne­te gesetz­ge­be­ri­sche und sons­ti­ge Maß­nah­men, gege­be­nen­falls auch Sank­tio­nen, jede Dis­kri­mi­nie­rung der Frau zu verbieten;
  3. den gesetz­li­chen Schutz der Rech­te der Frau auf der Grund­la­ge der Gleich­be­rech­ti­gung mit dem Mann zu gewähr­leis­ten und die Frau durch die zustän­di­gen natio­na­len Gerich­te und sons­ti­gen öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen wirk­sam vor jeder dis­kri­mi­nie­ren­den Hand­lung zu schützen;
  4. Hand­lun­gen oder Prak­ti­ken zu unter­las­sen, wel­che die Frau dis­kri­mi­nie­ren, und dafür zu sor­gen, dass alle staat­li­chen Behör­den und öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen im Ein­klang mit die­ser Ver­pflich­tung handeln;
  5. alle geeig­ne­ten Maß­nah­men zur Besei­ti­gung der Dis­kri­mi­nie­rung der Frau durch Per­so­nen, Orga­ni­sa­tio­nen oder Unter­neh­men zu ergreifen;
  6. alle geeig­ne­ten Maß­nah­men ein­schließ­lich gesetz­ge­be­ri­scher Maß­nah­men zur Ände­rung oder Auf­he­bung aller bestehen­den Geset­ze, Ver­ord­nun­gen, Gepflo­gen­hei­ten und Prak­ti­ken zu tref­fen, die eine Dis­kri­mi­nie­rung der Frau darstellen;
  7. alle inner­staat­li­chen straf­recht­li­chen Vor­schrif­ten auf­zu­he­ben, die eine Dis­kri­mi­nie­rung der Frau darstellen.
  1. BGBl. I S. 609[]
  2. BGBl. I S. 1421[]
  3. BGBl. I S. 1308[]

Sie sind derzeit offline!

Zum Inhalt springen